Die Kupferstelle der SOD1 bei der Arbeit
SOD1 besteht aus zwei gleich gebauten Untereinheiten mit je rund 150 Aminosäuren. Jede Untereinheit bindet ein Kupferion und ein Zinkion, die nur wenige Zehntel Nanometer voneinander entfernt liegen. Die eigentliche chemische Umsetzung findet am Kupfer statt.
Wechsel zwischen zwei Ladungszuständen
Das Kupferion kann als Cu2+ oder als Cu+ vorliegen. Trifft ein Superoxid-Molekül auf die oxidierte Form, gibt es sein überschüssiges Elektron an das Kupfer ab und verlässt das Enzym als gewöhnlicher Sauerstoff. Das nun reduzierte Kupfer reicht dieses Elektron an das nächste Superoxid-Molekül weiter, das zusammen mit zwei Protonen zu Wasserstoffperoxid wird.
2 O2•− + 2 H+ → O2 + H2O2
Danach liegt das Kupfer wieder als Cu2+ vor, und der Kreislauf kann von vorn beginnen. Das Enzym selbst wird dabei nicht verbraucht. Genau dieser Vorgang ist der biochemische Hintergrund der folgenden Angabe:
Kupfer trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Warum ein Zinkion daneben sitzt
Das Zinkion nimmt selbst keine Elektronen auf. Es ist über einen gemeinsamen Histidin-Rest mit dem Kupfer verbunden und hält die Schleife des Proteins, die das aktive Zentrum formt, in der richtigen Position. Ohne diese strukturelle Verankerung wäre die Tasche um das Kupfer weniger formstabil.
Eine Reaktion nahe am physikalischen Tempolimit
Die gemessene Geschwindigkeitskonstante von SOD1 liegt in der Größenordnung von 109 pro Mol und Sekunde. Das ist ungefähr so schnell, wie Moleküle in wässriger Lösung überhaupt aufeinandertreffen können. Möglich wird dies durch positiv geladene Aminosäuren am Eingang der Tasche, die das negativ geladene Superoxid gezielt zum Kupfer hinleiten.